Humor nach Feierabend

Dennis Bruhn ist Medienberater im Telefonverkauf bei der Schlüterschen Marketing Services in Hannover. In seiner Freizeit zeigt er sich jedoch von einer ganz anderen Seite: Er ist Comedy-Autor für Fernsehen und Radio, schreibt Bücher und Texte für Cartoons, macht Werbung und entwickelt neue TV-Formate.

Sie schreiben Gags und Sketche, entwickeln ganze Serien-Konzepte und verfassen sogar komplette Drehbücher zu Filmen. Hat Ihr Tag eigentlich 48 Stunden?

Zum Glück mache ich ja nicht alles parallel! Den Großteil des Tages verbringe ich natürlich an meinem Arbeitsplatz bei der Schlüterschen. Aktuell arbeite ich gemeinsam mit dem Cartoonisten Miguel Fernandez an einem Cartoonbuch, das im Februar erscheinen soll. Das Buch steht gerade in unserem Fokus – im September naht der Abgabetermin … Details darf ich leider noch nicht verraten.

Wie schreibt man gemeinsam ein Buch?

Ich schreibe vor allem die Texte und entwickle für viele Cartoons die Ideen, die Miguel dann umsetzt. Natürlich macht er auch seine eigenen Sachen. Wir ergänzen uns ziemlich gut.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich habe früher für eine Agentur gearbeitet und viel für Harald Schmidt oder die satirische Talkshow „7 Tage, 7 Köpfe“ geschrieben. Miguel war der Zeichner für kleine Zeichentrickfilme, die wir entwickelt haben. So haben wir uns vor 15 Jahren kennen gelernt.

Wann haben Sie gemerkt, dass Menschen Ihren Humor mögen?

Das war eigentlich bereits zu Schulzeiten so. Beruflich ernst genommen habe ich das erst, als ich begonnen habe, für die Agentur zu arbeiten.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, damit Geld zu verdienen?

Ein Freund von mir hat besagte Comedy-Agentur gegründet. Er hat mich gefragt, ob ich nicht ausprobieren will, aufzuschreiben, was ich so sage … Das habe ich dann einfach mal gemacht – und es kam gut an.

Ist es Ihnen zu Anfang schwer gefallen?

Zum Glück überhaupt nicht. Sind Ihnen besondere Aufträge in Erinnerung geblieben? Es war ein tolles Gefühl, als Harald Schmidt meine ersten eigenen Gags vorgetragen hat oder meine Sketche bei „Die dreisten Drei“ gelaufen sind. Das hat mich schon sehr gefreut. Einmal wurde auch ein Witz von Rudi Carrell aus meiner Feder in der Bild am Sonntag abgedruckt. Natürlich wird nie jemand erfahren, dass der Gag eigentlich von mir ist, aber das ist auch völlig egal. Das Schreiben ist ja mein Job – aber natürlich macht das viel Spaß.

Wie sind Sie zur Schlüterschen gekommen?

Ich habe lange für das Radio gearbeitet und fahre inzwischen zweigleisig. Ich hatte Angebote von mehreren Sendern, wollte aber Hannover nicht verlassen. Seit 2011 arbeitete ich jetzt für die Schlütersche – und die Comedy läuft eher nebenbei.

Wie lässt sich das Schreiben mit dem Berufsleben vereinbaren?

Ich arbeite viel abends und am Wochenende. Aber Arbeit ist ja relativ: Das Schreiben macht mir einfach viel Freude!

Schreiben Sie einfach drauf los oder haben Sie konkrete Aufträge?

Beides kommt vor. Ich arbeite zum Beispiel für eine große Unternehmensberatung: Sie schicken uns ihre aktuellen Themen, und wir setzen das dann in einem Cartoon um. Werbung mache ich auch auf Anfrage. Außerdem habe ich gerade eine neue Radio-Comedy verkauft. Sie heißt „Familie damals … und heute“ und läuft bei Radio ffh. Wir haben
schon viele Folgen produziert, die Serie läuft mindestens noch bis Weihnachten. Bei Bedarf machen wir gern noch weiter.

Gibt es ein Thema, zu dem Sie gern einmal eine Comedy schreiben würden?

Ich würde gern noch mehr zum Thema Film machen. Für Radio Nordseewelle und Antenne habe ich mal die „Küstenklassiker“ produziert. Das waren Trailer zu Filmen, die an der Küste spielen: „Krieg der Seesterne“, „Jäger des verlorenen Matjes“ oder der „Tee-Minator“. Das hat sehr viel Spaß gemacht!

Würden Sie auch gern einmal auf einer Bühne stehen?

Das habe ich bereits hinter mir! „Herr Breese aus der Personal- und Rechtsabteilung“, eine Figur, die ich für Antenne entwickelt habe, war ab und zu auch mal im Fernsehen zu sehen. Gern würde ich mehr in Richtung Film machen. Ideen habe ich viele. Mein erstes Drehbuch habe ich bereits geschrieben. Für „Alarm für Cobra 11“ habe ich Drehbücher überarbeitet und mehr Gags hineingebracht. Aber es dauert gefühlte Ewigkeiten, Bücher zu schreiben. Und vorher weiß man nie, ob es hinterher jemand kauft … Die Vermarktung nimmt einfach sehr viel Zeit in Anspruch.

Hilft Ihnen Ihr Humor auch im Tagesgeschäft?

Auf jeden Fall! Bei Kundengesprächen kann ich da nur profitieren. Ich muss mich am Telefon nicht verstellen. Meine lockere Art ist da oft eher hilfreich.

Auf Ihrer Medienberaterseite im Internet steht: „Ich mache Online-Marketing für Sie nicht nur verständlich, sondern auch erfolgreich.“ Was sind Ihre größten Herausforderungen im Alltag?

Manchmal ist es eine Herausforderung, Kunden davon zu überzeugen, dass Print heute nicht mehr das Nonplusultra ist, sondern dass Online die Zukunft ist. Viele haben immer noch kein Internet. Ich selbst denke da völlig anders: Für mich existiert Print kaum noch. Privat schaue ich bestimmt seit 15 Jahren nicht mehr in Telefonbücher.

Ist es schwieriger, jemanden am Telefon zu überzeugen als vis-à-vis?

Natürlich ist es immer einfacher, wenn man sich gegenüber sitzt.

Erwartet Ihr Umfeld von Ihnen, dass Sie ständig witzig sind?

Eigentlich nicht. Ich fühle mich da nicht unter Druck gesetzt.

Worüber können Sie selbst lachen?

Ich bin ein großer Filmfan und lache gern über Filme wie „Die nackte Kanone“. Auch gute Radio-Comedy, wie sie zum Beispiel Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe machen, finde ich witzig. Mit der typischen Stand-up-Comedy aus Deutschland kann ich oft nicht so viel anfangen. Über Mario Barth kann ich nicht lachen, das ist nicht mein Humor. Johann König hingegen finde ich klasse.

Sie sind leidenschaftlicher Indiana Jones-Fan und sammeln Artefakte des weltberühmten Jägers des verlorenen Schatzes. Wie ist es dazu gekommen?

Mein Vater hatte 1981 den ersten Film im Kino gesehen und mir begeistert davon erzählt. Wir wollten ihn uns dann noch einmal gemeinsam anschauen, sind aber bereits an der Kinokasse mit unserem Plan gescheitert. Der Film ist ab 16 Jahren freigegeben – und ich war erst sieben! Seit diesem Tag sammle ich alles, was ich von Indy in die Finger bekomme.

Was ist der größte „Schatz“ Ihrer Sammlung?

Ein Original-Indiana-Jones-Hut von den Machern der Filmhüte. Der wird aber nicht getragen, sondern nur hin und wieder herausgeholt.